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35 Jahre schmale Hüfte - hebt die Gläser in die Lüfte
Zum Bild: Lustiges Musikerraten, hier die Interpretation von «Wild horses».Brittnaus Drum-Legende Pi-Didi lud am Samstag zur lustigen Sause ins Thutstädtchen. Und alles, was Rang und Namen hatte, liess sich diesen Event nicht entgehen, denn es wurde wiedermal Feinkost vom Gröbsten geboten. Back- und Schleckwaren aus dem Hause Vögeli, dazu Hopfen (auf 5 Grad vorgekühlt vom Langhaar-Niederhäusern) aus dem Appenzöll.

Zum Bild: Ronstop Ronsen übt schon mal mit Simi Ammann für die kommende Skiflug-WM.
Fazit: es wurde Rübis-Stübis alles weggehauen, was der Kühler hergab. Und als die letzten Gäste gingen, schien bereits wieder die Sonne. Es war herrlich und sollte baldmöglichst wiederholt werden. Den Gastgebern ein herzliches Dankeschön.
Musikweiterbildungsreise zweier Köche
Nach einem sehr durchzechten Zapfenstreich, bei dem meine Heimkehr durch Sonnenaufgang und Vogelgezwitscher begleitet wurde, hiess es am Samstag "We all came out to Montreux on the Lake Geneva shoreline". Motörhead und Heaven and Hell luden zur glatten Stubete im Stravinski Auditorium und in der Miles Davis Hall nebenan spielten The Good, the Bad and the Queen.
Küsche Steve Stevens bog pünktlich um 14 Uhr ins Wuhrweg-Areal ein. Wie es sich für echte Weltstars gehört, machten wir uns per Mercedes Cabrio auf den Weg ins Waadtland - Danke Brigitte! Die Sonne schien uns auf den Pelz, es war einfach herrlich. Die Route führte uns Richtung Bern - Fribourg - Bulle nach Chailly, wo wir an bester Verkehrslage ein schnuckeliges Hotel beziehen konnten. Per Gratis-Shuttle gings dann um 16.30 Uhr nach Montreux an die wunderbare Seepromenade des Lac Leman.
Unsere Vorfreude war riesig, konnten wir doch dank spezieller Pässe sowohl ins Auditorium als auch in die Miles Davis Hall. Zuerst hiess es aber, ab an die Tränke, wo mal ein halblebendiges Heineken gezapft wurde. Anschliessend suchten wir die Akkreditierungsstelle auf, wo uns dank Olar Music 2 Pässe erwarteten. Die nette Dame mit akzentfreiem berndeutsch band uns die begehrten Teile gleich selber um unsere gestählten Handgelenke - bei Steven Spielberg brauchte es beinahe noch ein Zusatzloch ...
Zurück an der Promenade erkundeten wir die Stände, die sich wie Dominosteine aneinanderreihten. Da gab es wirklich interessante Sachen zu sehen, Portraitkünstler, die innert 5 Minuten eine Karikatur deiner Fresse zeichnen konnten, Zöpflifrauen, die aus dir einen Wischmop machten und Sprayer. Sieger in dieser Kategorie war allerdings jener begabte Kerl, der mittels eines kleinen Trichters verschieden farbigen Sand in ein Fläschen füllte und so geniale Kunstwerke erstellte.

Der Weg führte uns auch zum Freddie-Denkmal, das den ehemaligen Queensänger in typischer Pose zeigt. So - nun aber mal was essbares zu sich nehmen. Ein Kebap schien die richtige Wahl zu sein, obwohl die Grösse des Türkenfaustbrotes kaum ein Erstklässlermägeli hätte füllen können. Egal, dann gibts halt noch ein feines Mövenpick-Cornet, ausgezeichnet mit 20'000 Kalorien und 250 Coop-Superpunkten.
Gestärkt mit einer Gerstenschale gings dann die Treppen empor ins Stravinski Auditorium, wo schon bald Edelwarze Kilmister den Laden aufmischeln sollte.
«We are Motörhead - and we play Rock'n'Roll!» Mit diesen Worten eröffnete der Dreier das Musikwochenende. Herrlich wie der Lemmenmeier ins Mikro nuschelte und das Volk zum Mitgröhlen animierte. Seine Storchenbeinli steckten in hautengen schwarzen Stretch, wobei der Genitalbereich durch seine Rickenbacker gottseidank verdeckt wurde. Die englischen Dreckslatschen parkierte der Herr in edlen Westernboots. Unsere Enttäuschung war umso grösser: sonst zieren doch die weissen Discowixerli seine Füsse.
Scheiss drauf, die Jungs fuhrwerchten wie vom Teufel befohlen. «Is it loud enough?» schrie Herr Campbell, was die Crowd mit Gejohle bestätigte. So reihten sich Klassiker an Klassiker und der Herr Dee (ehemals King Diamond) überzeugte uns noch mit einem unglaublichen Drumsolo.
Vor den Zugaben machten wir uns Richtung Miles Davis Hall aus dem Staub, um auch ein Ohr von Damon Albarns Neuprojekt The Good, the Bad and the Queen zu nehmen. Und wir mussten unseren Besuch nicht bereuen. Heiteren Fahnen, das war das pure Gegenteil vom soeben erlebten. Von einem Streichensemble begleitet legten die Ausnahmekönner einen Soundteppich in den Saal, uns klappte die Kinnlade runter. Stevie sollte sein Dauergrinsen in der nächsten Stunde nicht mehr wegbekommen. Im Mittelpunkt standen ganz klar Albarn - mal am Piano, mal nur am Mikro und der ehemalige Clash-Bassist Paul Simonon. Den Bass spielte er dabei, als wolle er noch das Obligatorische stehend schiessen. Unglaublich war auch die Soundqualität, da hörte man jedes Instrument heraus, die Stimme Albarns war weltklasse - einfach grossartig.
Nach einer guten Stunde verliessen wir den Saal und gingen nochmals zu Straviski's Ruhestätte, wo uns Ronnie James mit altbewährter Donnerstimme begrüsste. Der 160 cm kleine Wicht ist mit einer Stimme gesegnet, die seinesgleichen sucht. Aber auch seine Bühnengenossen sind nicht zu verachten: Geezer Butler, der Flitzefinger am Bass, stellt noch so manchen Jüngling in den Schatten. Am Schlag sass das Urgestein Vinnie Appice, seit Jahren schon ein treuer Weggefährte Dios. Und an der Gitarre der Meister schlechthin, Mr. Tony Iommi, in schlichtem Schwarz gekleidet mit edlem Kreuz um den Hals. Das Quartett machte tüchtig Dampf, der Sound war immer im grünen Bereich. Dio war zum Teil kaum auszumachen auf der Bühne, zum Glück reckte er zeitweise seine «Mano cornuto» - das typische Heavy-Zeichen - in die Luft, damit man wenigstens erkennen konnte, in welcher Ecke sich der Zimmerli-Geni-Klon aufhielt. Mit dem Titelsong zu Heaven and Hell endete dann der offizielle Teil, bevor der Altersheimausflug nochmals für eine Zugabe auf die Bühne gefahren wurde.
Wir verliessen rundum glückling die Stätte der guten Musik und genehmigten uns mit Mike dem Lüthi und Big B Bolliger noch ein paar Gerstenschalen und eine Portion Macaroni du châlet, die bis heute meine Verdauung beansprucht. Mit dem Shuttle wohlbehütet zurück im Hotel, hiess es um halb vier Uhr Nachtruhe. Der nächste Morgen kam schneller als erwartet und zeigte uns, dass es auch anderswo aus dem Himmel pissen kann. Nach einer erfrischenden Dusche enterten wir das sehr gut assortierte Frühstücksbuffet und hauten uns für die Rückreise die Bäuche voll. Und so endete mal wieder ein rundum gelungenes Wochenende mit viel Rock und Gelächter und dem Sieg von Sir Roger Federer in Wimbledon.
Weitere Bilder vom Montreux Jazz Festival gibt's hier »